Montag, 12. November 2012

Slowfood und -fisch und Bloggertreffen in Bremen

Man duzt sich halt. Nicht nur sich. Auch die Produkte - irgendwie. Wer kostet, trinkt sozusagen Bruderschaft. Es ist alles echt, nah, öko. Und es ist Startup. Web 2.0. Zudem effizient – im wertschöpfendem Sinne. Und nachdenklich. Ehrlich. Glücklich. Spiegelt genau das, was die Menschen sind. Wie gesagt, man duzt sich.

Die Idee SlowFood ist nicht nur in der Zubereitungsart das Gegenteil von FastFood, sondern auch im Denken, der Produktion, ja im Stil – und ganz besonders im Lebensgefühl. Es geht darum ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass etwas zu kaufen, zu konsumieren ganz und gar nix Passives ist, sondern im Gegenteil immer auch eine Entscheidung für Etwas beinhaltet. Durch den Kauf bestimmter Lebensmittel nimmt man unmittelbar und direkt Einfluss auf den Markt und dessen Produktionsverhalten. SlowFood ist eine weltweite Non-Profit Organisation mit rund 100.000 Mitgliedern, die allesamt bewusst genießen wollen - sich für Artenvielfalt, Nachhaltigkeit, artegerechte Tierhaltung, Regionalität einsetzen und den Dialog zwischen Produzenten, Händlern und Verbrauchern pflegen. Eine Idee, hin zu mehr Bewusstsein und Mündigkeit, wenn es um Lebensmittel geht. Nicht rumsitzen – und nix tun. Sondern gemeinsam Alternativen schaffen, von denen alle nicht nur Etwas, sondern Mehr haben.

Wie der Name SlowFisch schon sagt, stand im Fokus der Bremer Messe vom 9.-11. November alles rund um den Fischereibetrieb. Was mich als Vegetarierin zwar nicht in kulinarischer Hinsicht interessiert hat, aber zum einen gab es auch genug Aussteller, die mich auf meine Kosten haben kommen lassen, ;) und zum anderen haben mich die vielen Ideen und Konzepte in Bezug auf verantwortungsvollen und nachhaltigen Fischfang interessiert.

Besonders spannend fand ich die Idee „Fisch vom Kutter“: In diesem Zusammenschluss von Fischern wurde ein Netzwerk zur Direktvermarktung von wirklich frischem Fisch aufgebaut: Denn die Verbraucher können sich ihren Fisch direkt vom Fischkutter abholen. Und das fuktioniert so: Via SMS schicken die Fischer ihren genauen Tagesfang an die Internet-Plattform www.fischvomkutter.de. Dort kann dann jeder genau einsehen, was in wenigen Stunden am Hafen ankommt und in den meisten Fällen einfach via Telefon mit dem jeweiligen Fischer in Kontakt treten, um sich den Fisch zu reservieren. Das spart lange, wirklich lange Transportwege, denn der Fisch wird andernfalls üblicherweise erst nach Holland oder Dänemark zu den Großauktionen gekarrt, um von dort wieder zurück zu den Zwischenhändlern zu tuckern. Erst dann gelangt er zu den Verbrauchern und entsprechend ist der vermeindlich frische Fisch in der Regel bis zu 14 Tage alt. Und übrigens: Wisst ihr, wie man diese Fische nennt? Reisefische (Wörter können ja so dermaßen zynisch gucken)....Zusätzlicher Bonus ist, dass der Direktverkauf sich finanziell sowohl für den Verbraucher, als auch für den Fischer lohnt. Na, wenn das kein Lehrbuchbeispiel für eine Win-Win-Situation ist, dann weiß ich auch nicht! Auf der Messe gab es eine Vielzahl solcher Projekte und Unternehmen. Deutschlands erste Bio-Muscheln waren z.B. vertreten. Oder man konnte lernen, wie man auch besonders grätenreichen Fisch verarbeiten kann.

Aber wie gesagt, gab es neben Fisch noch eine ganze Reihe mehr: Es gab veganes Wildkräuter-Pesto in kompostierbarer Verpackung. Kaffee, der, um die dortigen Bauern zu unterstützen, im Erzeugerland Brasilien geröstet wird. Und Burger, Pizza, richtig viel und guuuten Käse. Ach und Nougat zum Umfallen gut. Und Gewürze – wirklich viele Gewürze. Außerdem. Wer mochte, konnte beim Sternekoch Tilmann Hahn probieren. Er ist einer der wenigen seiner Zunft, die auf regionale und saisonale Produkte achten

Wir wurden auf orwell’sche Verrücktheiten hingewiesen, wie dass Vorzugsmilch auf der Verpackung nicht als „frisch“ deklariert werden darf, der ganze homogenisierte und pasteurisierte Kram hingegen schon. Es gab Kakaokonfekt, das einem die Schuhe auszog. Echt so was von lecker! Und einmalig schöne Pfeffermühlen. Jede Menge Wein, Bier und Brennereien. Augustus Rex präsentierte z.B. ein Sortiment aus über 80 sortenreinen Bränden und Likören, hergestellt aus ausschließlich vollreifem Obst. Welches sie auf der gezielten Suche nach alten Obstwiesen (wieder)entdeckt haben. Dabei konnten sie sogar einen Bestand des schon als ausgestorben betitelten „Böhmischen Rosenapfel“ ausmachen! Ja. Generell war Artenvielfalt ein großes Thema auf der Messe. Es gab z.B. Produkte von und aus dem Augsburger Huhn. 2005 wurden gerade mal 200 Tiere gezählt! Oder auch Käse von der Thüringer Wald Ziege, die vor den Toren Bremens in einem kleinen Betrieb gehalten wird. Für die Ziegen gibt’s dort ganzjährigen Weidegang und regionales, biologisches Futter.

Ach. Ich könnte noch so viel mehr spannende Menschen, Betriebe und Konzepte aufzählen. Es gab insgesamt etwa 160 Aussteller. Einige davon habe ich vor dem Bloggertreffen mit der Freundin des guten Geschmacks und Madame Gourmetbüdchen besucht und durchprobiert. Andere nach der Messeführung mit den Herren Wurstsack und Küchenjunge. – Und trotzdem, wie das immer so ist, habe ich längst nicht alles gesehen!

Last und ganz und gar nicht least: An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an die tolle Organisation (WLAN-Zugang, Informationsbroschüren und Kekse gab es für uns Blogger – was will man mehr) und die interessante und nette Begrüßung von Frau Dr. Ursula Hudson (Vorsitzende SlowFood Deutschland) und Herrn Robert Friedenberger (SlowFood Qualitätskommission). Danke für die vielen Denkanstöße, die spannenden Einblicke und den lockeren Stuhlkreis. Ich freue mich auf’s nächsteJahr!

Kommentare:

  1. Danke für Deinen ausführlichen Bericht. Ich habe leider nicht hingeschafft, mir aber fest vorgenommen, nächstes Jahr dabei zu sein...
    Lg

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    1. Jaaaa! Auf das das Bloggertreffen da immer weiter wächst! Wäre super, wenn du im nächsten Jahr dabei bist! :)

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  2. Dieses Event liest sich ja total spannend und ihr hattet alle viel Spaß bei diesem Treffen rund um Slowfood und Fisch und nicht nur das, es handelte sich ja um eine Vielfalt von Köstlichkeiten.
    Mit Interesse habe ich deinen Bericht gelesen, liebe Sarah-Maria. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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    1. Huhu Christa, oh, das freut mich! Danke dir - und liebe Grüße zurück! ^^

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  3. Ein schöner Bericht, das scheint ja wirklich eine super interessante Messe zu sein. Grundsätzlich zu der Idee "Fisch vom Kutter": Das mag ja alles eine gute Idee sein für Menschen die nah am Meer (wie z.B. in Bremen) leben, aber ich wohne 800 km weg vom nächsten Meer, also ich habe von solchen Aktionen leider gar nichts.
    Ich denke viel wichtiger ist es, das Menschen wieder den Wert von Nahrungsmitteln zu schätzen lernen. Ich erlebe das Problem aus nächster Nähe, meine Mutter ist nämlich Metzgerin und sie selber vertritt die Auffassung, dass jeder Kunde den sie bedient einerseits über Massentierhaltung, gen-technisch veränderte Futtermittel u.Ä. sich beschwert und bitte nur Bio-Fleisch,-Fisch und Käse möchte, dann aber sich im nächsten Satz sich beschwert, dass alles so teuer ist und man bitte nicht mehr als 2,99 für ein Hähnchen bezahlen möchten. Da kann einem wirklich der Kamm schwillen, wenn man weiß was für eine Arbeit für einen redlichen Bauern in der Aufzucht steckt und für einen Metzger der ein Tier nicht nur als Ware ansieht und wert auf eine respektvolle und saubere Verarbeitung legt. Das gleiche gilt selbstverständlich für Obst und Gemüse.
    Ich finde das genau aus den Gründen eine super Sache mit dem Slowfood. Dieses ganze Fastfood, ein Burger für 99 Cent, das tritt doch die Würde von Bauern, ihrem Vieh und ihrer Ernte mit Füßen.
    Ein super Bericht einfach !

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    1. Hi Laura, danke dir! :)

      ....und ja in Sachen Fisch hast du leider Recht. Das Projekt richtet sich hauptsächlich an die Leute in der Umgebung. - Und hat eben genau das von dir beschriebene Ziel, den Leuten wieder bewusst(er) zu machen, wie, woher ihre Lebensmittel kommen. Ich erlebe das, was du beschreibst auch immer wieder. Alle schreien laut auf, wenn es um Lebensmittelskandale geht, aber etwas kosten lassen wollen sie es sich nicht, gesund zu leben....

      In der Infomappe, die wir Blogger von der Messeleitung bekommen haben, stand z.B. auch, dass sich die Deutschen im Vergleich zu anderen (wie ich mal annehme) Industrienationen ihre Lebensmittel wenig kosten lassen ("Wir geben nach wie vor im internationalen Vergleich sehr wenig für Essen aus."). Das sollte uns als eines der reichsten Länder auf der Erde wirklich zu denken geben....

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  4. Danke für diesen schönen Bericht, der macht Lust, auf der nächsten Messe unbedingt dabeisein zu wollen.

    Ulrike @Küchenlatein

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    1. Ulrike, ja! Unbedingt! ^^ Ich will euch alle mal persönlich kennenlernen! :)

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  5. Super Bericht! Danke dafür, leider ist diese Messe aber zu weit von mir entfernt gewesen.

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    1. Na, vielleicht bist du ja im nächsten Jahr gaaaanz zufällig in der Nähe.... Hehe. Würde mich freuen! :D

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  6. Toller Bericht...Dankeschön!!!!

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    1. Danke, Sybille. ^^^Du hättest dich da sicher auch seeeehr wohl gefühlt! Würde mich freuen, wenn du im nächsten Jahr dabei bist! :)

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  7. Liebe Sarah, ganz herzlichen Dank dass ich Dich persönlich kennenlernen durfte und natürlich auch für Deinen tollen Bericht. Jetzt muss ich aber scharf überlegen was ich noch schreiben könnte. ;-) Du hast alles so toll auf den Punkt gebracht.
    Ich freue mich schon auf nächstes Jahr.
    Und zu Laura´s Bericht, ein Agument für Geiztypen, das was sie an Nahrungsmitteln sparen, geben sie dann in der Apotheke aus, weil sie mit Medikamenten ihre Krankheiten in den Griff bekommen müssen ;-)

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    1. Hey. Und oh ja, hat mich auch gefreut! War schön endlich mal ein Gesicht zum Blog kennenzulernen. ^^ - und ich freue mich natürlich schon auf deinen Bericht. :D

      Dein Apotheken-Argument merk' ich mir! Befürchte aber, dass Leute, deren Bewusstsein für Soziales in der Spendenbüchse "Ein Herz für Kinder" am McDoof-Schalter endet, nicht den nötigen Weitblick dafür haben. ;)

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  8. Sehr schöner Rückblick! Es hat sehr viel Spaß gemacht! :-)

    Hier auch mein Rückblick:
    http://www.kuechenjunge.com/2012/11/13/rckblick-slowfisch-bremen-2012-die-messe-von-slowfood-im-norden/

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    1. Hey! Ja! Spaß gemacht hat es wirklich! - und ich klick mich gleich mal zu dir rüber.... :D

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  9. Danke für den tollen Post!
    Slow Food interessiert mich seit kurzer Zeit auch, ich hatte zuvor noch garnichts davon gehört. Ich will mich jetzt auch echt mal schlau machen, vor allem ob es für mich bezahlbar ist.

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    1. Das mit der Bezahlbarkeit ist sicherlich ein Problem.... Aber wie Küchenjunge schon sagt, geht es vor allem auch darum erstmal irgendwo (bei sich selbst ;)) anzufangen. Der Rest ergibt sich dann.... Oder falls es dir darum geht Mitglied bei SlowFood zu werden: Das kostet je nachdem:
      Azubis & Studenten: 12 EUR im Jahr; bis hin zur Einzelmitgliedschaft für 75 EUR. So oder so: Ist jedenfalls nicht unbezahlbar. ;)

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  10. Ja, war diesmal eine wirklich schöne Slow Fisch, die ist inzwischen richtig gut. Und wem der Weg zu weit ist, es gibt ja im Frühjahr wieder die Slow Food in Stuttgart (mit Bloggertreffen?) und noch einige andere Veranstaltungen, wo man tolle Produzenten treffen kann.
    Sarah, danke für den schönen Bericht!

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    1. Hey ho! Schön, dich auch hier zu lesen. Freut mich! :) Und ich klick mich gleich auch mal in deinen Bericht!
      .... ob ich's nach Stuttgart schaffe, bleibt abzuwarten. Lust hätte ich auf jeden Fall. :)

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  11. @Smartieskleinewelt: Im Grunde ist ja Slowfood ähnlich wie ein Bio-Siegel... 100% seines Einkaufs wird man so nicht bestreiten können, aber man kann ja einfach ein paar Produkte versuchen und schauen was möglich ist... :-)

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    1. Man kann aber problemlos an die 90% rankommen. Seit ich konsequent Discounter und Großmärkte meide (damit fällt das spontane "mehr Ausgeben, als geplant" weg) und wirklich regional und saisonal einkaufe (mit Bio-Siegel) sind unsere Lebensmittelkosten sogar gesunken.
      Es geht, man muss es nur wollen.. :)

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  12. Hey ihr alle. Erstmal lieben Dank für eure Kommentare! Freut mich richtig, dass euch mein Bericht - und vor allem das Thema an und für sich - interessiert!

    - und ehrlich: Eine dicke Entschuldigung, dass ich erst jetzt auf eure Kommentare antworte. Gestern Abend und heute war einfach. Mhm. Stressig - um es mal sparsam auszudrücken. ;) Bis auf ein paar Likes hier und da und einige maximal verpeilten Tweets war in den letzten 20 Stunden nicht viel los mit mir in Sachen www. Aber dafür jetzt - und in voller Breitseite! Oder so. ;)

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  13. Das ist wirklich ein Bericht, den ich mir sehr viel Interesse gelesen hab! Bei dem Event wäre ich sehr gerne dabei gewesen, es klingt wirklich spannend und ich wäre sehr gerne dabei gewesen. Das Slow Food Konzept kenne ich von diversen Veranstaltungen, bin von der Idee sehr begeistert.
    Ich versuche auch immer mehr bewusst einzukaufen, auch wenn es im Supermarkt oft schwerfällt.
    Danke für die interessanten Eindrücke!

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    1. Huhu Maegwin. Danke! Und wenn man zumindest einfach mal anfängt bewusster einzukaufen ist ja wirklich schon eine ganze Menge getan. Find ich super, dass du darauf achtest! :)

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  14. Schön ausführlich beschrieben und ja so habe ich es auch empfunden. Ich bin mit meinem Bericht noch nicht in die Pötte gekommen wg. anderer Verpflichtungen, ich muss mich sputen.
    LG Monika

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    1. Hey Monika, ja, so ist das halt. Manchmal kommt man nicht immer gleich dazu. Aber das ist ja auch nicht weiter schlimm. Es rennt ja schließlich nicht weg - oder so. ;) Freue mich jedenfalls schon auf deinen Bericht! :)

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  15. Dein Bericht ist sehr gelungen, im Alltag vergesse ich das Wort slow ganz gerne mal. Umso mehr freue ich mich auf die Wochenenden.
    Vielen Dank fürs " Dran erinnern!"

    Liebe Grüße, Jo

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